Montag, 8. Juli 2013

Schreiben, aber wie? Teil 1: Ich will doch nur spielen


Es kostet mich immer Überwindung, mich an die Arbeit zu machen, und ich habe den Verdacht, dass ich nicht der einzige Autor bin, dem es so geht. Aber wenn man einen Abgabetermin hat, kann man es sich nicht leisten, seinen inneren Schweinehund spazieren zu führen. Deshalb muss man ihn austricksen. Meine Methode ist, mich selbst anzulügen. Ich rede mir einfach ein, ich würde gar nicht arbeiten.

Ich nehme mein Notizbuch und meinen Lieblingsstift und lege mich damit aufs Sofa. Auf einem Sofa arbeitet man nicht, das hilft. Dann fange ich an, Ideen aufzuschreiben. Handschriftlich sehen sie viel weniger endgültig aus als auf dem Monitor. Was davon brauchbar ist, übernehme ich später in eine Datei, die ich aber auf keinen Fall "Exposé" nenne, sondern "Notizen" oder "Ideen".

Das nächste ist der Kapitelplan, der ebenfalls unbedingt als "work in progress" zu betrachten ist und auf dem "Nicht-Exposé" basiert. Irgendwann kann der Kapitelplan zu einem Szenenplan erweitert werden, der ja nur die Vorlage zum eigentlichen Roman bildet, also auch keine richtig Arbeit darstellt, sondern nur eine Sammlung von Dingen, die passieren – das rede ich mir zumindest ein.

Dann kommt der Moment, in dem der erste Satz geschrieben werden soll. Die Datei darf auf keinen Fall einen pompösen Namen haben, sondern heisst schlicht "Leseprobe_Arbeitstitel". Denn eine Leseprobe ist etwas Vorläufiges. Deshab muss man auch keine Angst vor dem ersten Satz haben: Nichts ist endgültig, alles kann wieder verworfen werden.

Bis zum Ende heißt die erste Fassung "Leseprobe". Erst, wenn sie vollständig ist, wird sie in "1. Entwurf" umbenannt. Ich rede mir fortlaufend ein, dem, was ich mache, einen Schritt hinterher zu hinken. Für mich funktioniert das wunderbar, weil ich nie den Anspruch an mich stelle, etwas fertig machen zu müssen.

Um die alltägliche Barriere aus Faulheit und Bequemlichkeit zu überwinden, die dazu führen kann, dass ich sogar lieber die Bettwäsche bügle als mich an den Rechner zu setzen, benutze ich einen Trick, der auf der NaNoWriMo-Site empfohlen wird: Ich mache mir vor, dass ich nur ein bisschen am Text herumfrickeln, vielleicht ein bisschen verbessern, was ich am Vortag geschrieben habe, oder einfach einen Absatz hinzufügen will – meistens packt es mich dann doch, und ein paar Stunden später ist im Idealfall das Tagespensum erledigt.

Was mir noch hilft, ist, Pausen zu machen. An manchen Tagen renne ich alle Viertelstunde in die Küche, mache mir einen Tee, esse vier Löffel Yoghurt oder hole mir ein paar Mandeln zum Knabbern. Wichtig ist, sich nirgendwo hinzusetzen und gleich wieder zum Schreibtisch zurückzukehren. Warnung: Diese Strategie kann zu Gewichtszunahme führen!

Und wenn es mal gar nicht geht? Dann lasse ich das Schreiben sein und bastle (auf keinen Fall "arbeite" ich) an der "Notizen"-Datei fürs nächste Projekt. Oder gehe spazieren. Oder sehe mir einen Film an. Das erlaube ich mir an einem Tag in der Woche, an den anderen sechs muss zumindest ein bisschen Text produziert werden, und wenn es nur eine Seite ist.

Für andere Schreiber funktionieren vielelicht andere Methoden, aber ich bin selbst überrascht, wie schnell meine Geschichte wächst, wenn ich so tue, als würde ich gar nicht arbeiten, sondern nur spielen.

Einen schönen Schreibtag!

Mascha



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