Sonntag, 27. November 2011

Glitschiger Teig und Michelangelo

 
Kampf mit dem Teigmonster
Man sollte meinen, ein Autor kennte sein Thema, bevor er beginnt, eine Geschichte zu entwickeln, und soweit ich informiert  bin, ist das auch meistens so. Bei mir nicht. Wenn ich anfange, mir eine Geschichte auszudenken, habe ich keine Ahnung, worum es eigentlich geht.
 


Natürlich habe ich Figuren, die handeln, Ereignisse, die sich ereignen, Schauplätze und Gefahren und alles, was man so an Zutaten für einen Roman zusammenrührt, aber es dauert ziemlich lange, bis mir klar wird, was eigentlich das Thema ist, das hinter all den Ereignissen steckt. Bis dahin fühlt es sich an, als würde ich mit einem sehr voluminösen und sehr glitschigen Teig kämpfen, der sich einfach nicht in eine Form pressen lassen will.
Für mich ist diese Phase wahrscheinlich die wichtigste während der Planung einer neuen Geschichte, und wie beim Backen lässt sie sich nicht abkürzen. Erst wenn ich den Teig lange genug geschmeidig geknetet habe, kann ich ihn um den eigentlichen Kern der Geschichte herum formen.

Mir ist gestern klar geworden, worum es in meinem aktuellen Romanprojekt wirklich geht, und ich musste an Michelangelo Buonarotti denken, der gesagt haben soll, die Skulptur sei bereits im Marmor enthalten, er schlage nur noch das Überflüssige außenrum weg.

Womit ich mich ganz sicher nicht an Michelaneglos Seite platzieren möchte - aber ich weiß, was er damit gemeint hat.

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