Sonntag, 30. Januar 2011

Durchmogeln klappt nie

Projekt J ist in der ersten Fassung zu drei Vierteln fertig, bzw. war es, bis ich mich heute an Rechner gesetzt habe und angefangen habe, es zu überarbeiten. Jetzt hat ers 30 000 Zeichen weniger. Zwanzig Seiten – einfach weg, und damit habe ich ihm etwas Gutes getan. Dem Roman.

Ich merke immer genau, wo mein Text nicht nicht stimmt, und ich wusste schon die ganze Zeit, wo es hakte. Nur dachte ich, ich könnte mich durchmogeln. Durchmogeln klappt aber nie. Beim Durchlesen bleibe ich an den Mogelstellen hängen. Hier hast du es dir aber einfach gemacht, steht zwischen den Zeilen. Und dann setze ich mich noch einmal dran, und noch einmal, und wenn es sein muss, noch einmal.

Dabei geht es fast nie um sprachliche Probleme, sondern um Ideen. Wie bringe ich meine Figur in eine bestimmte Position, um diese oder jene Handlung glaubwürdig zu unterfüttern? Meine Geschichte soll an einer bestimmten Stelle eine neue Wendung nehmen. Die Art, wie das passiert, hat mich bisher nicht überzeugt. Ich wusste, ich kann etwas Besseres finden.

In solchen Situationen hilft nur eines: Das Notizbuch. Damit lege ich mich aufs Bett, nehme einen schwarzen Kugelschreiber (richtig tiefschwarz muss er schreiben, aber nicht zu fett – gar nicht so leicht aufzutreiben). Und dann fange ich an, mir Notizen zu machen. Hinterher tut mir der Rücken weh, weil es ziemlich unbequem ist, auf dem Bauch zu liegen und zu schreiben, aber so kommen mir einfach die besten Ideen. Todsicheres Rezept, klappt immer. Wenn ich den Stift ansetze, habe ich keine Ahnung, was dabei herauskommt. Aber es kommt.

Ich vermute, ich ziehe diese Dinge aus dem Kollektiven Bewusstsein, ungefähr so, wie man eine Packung Zucker aus dem Küchenschrank holt, von der man nicht mehr genau weiss, wo man sie hingestellt hat.

Dieses Mal brauchte ich eine Idee, wie ich meine Figur zum Seitenwechsel motivieren konnte. Und ich bekam eine. Die zusätzlich ein Problem mit einer Nebenfigur löste, an dem ich mir seit Wochen die Zähne abschleife. Zwei auf einen Streich, wunderbar.

Jetzt frage ich mich, weshalb mir diese Idee nicht bereits vor einem halben Jahr gekommen ist. Dann hätte ich nämlich heute nicht 30 000 Zeichen löschen müssen und mir eine Menge Arbeit gespart. Froh bin ich trotzdem. Weil meine Geschichte jetzt glaubwürdiger wird, eleganter und spannender. Hoffe ich.

Danke, Kollektives Bewusstsein.

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