Montag, 22. November 2010

Midtext-Blues

Er hat sich heimlich heran geschlichen, um dann umso heimtückischer aus dem Nichts heraus über mich herzufallen: Der Midtext-Blues, wie Kollegin Andrea S. ihn nennt. Mir wurde versichert, er überkomme viele Autoren und gehe von selbst wieder vorüber. Also ganz normal, trotzdem beunruhigend, wenn man mitten in einer Geschichte feststeckt.
Grund genug, sich über den Midtext-Blues ein paar Gedanken zu machen.
Wenn ein Roman halb fertig ist, hat der Autor seine Geschichte in Gang gebracht. Er hat seine Figuren aufgestellt und sie ordentlich in Schwierigkeiten gebracht. Er weiß, wie die Geschichte weitergeht, hat sich aber vielleicht noch nicht überlegt, wie der Handlungsverlauf im Einzelnen weiterläuft. In meiner Kapitelplanung stand so etwas wie: "Sie kommen in X an, treffen auf Y, der ihnen Genaueres über das Geheimnis erzählt. Streit zwischen G. und U.. G. und R. kommen sich näher. Angriff der Killerschnecken (nein, es gibt keine Killerschnecken in meiner Geschichte, ist nur ein Beispiel)." Also ziemlich schwammmig. Weshalb ist es mir so schwer gefallen, die Handlung zu präzisieren? Weil dieses Kapitel den Übergang zur zweiten Hälfte bildet. Die muss vorbereitet werden, neue Personen erscheinen auf dem Spielfeld, es werden künftige Ereignisse vorbereitet. Ein sehr wichtiges Kapitel, wenn auch äußerlich nicht viel passiert.
Ein paar Tage habe ich mich um dieses Kapitel gedrückt, habe die ersten 200 Seiten überarbeitet (und mir dabei selbst die Geschichte noch einmal vergegenwärtigt), und als ich keine Ausreden mehr hatte, habe ich das "Übergangskapitel" in Angriff genommen.
Und siehe, es ist alles halb so wild. Es läuft sogar richtig gut, und ich merke, dass ich Schwung sammle, mit dem ich in den zweiten Teil des Romans hinein rutschen kann.
Jetzt freue ich mich sehr darauf, den zu schreiben.

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