Freitag, 12. März 2010

Lesen: Charles Simmons

"Salzwasser" hat einen wunderbaren ersten Satz: "Im Sommer 1963 verliebte ich mich, und mein Vater ertrank." Den muss man halblaut vor sich hinsagen, und bei jedem Mal wird der Satz besser.

Es ist ein Buch über die Liebe. Die erste Liebe. Die Liebe zwischen Eltern und Kindern. Die Suche nach Liebe. Den Verlust von Liebe. Die Liebe zu Tieren, zu Booten, zum Meer. All das so schwebend leicht verpackt in eine Sommergeschichte, komprimiert auf 144 Seiten. Jeder Satz ist perfekt, sitzt perfekt, kein Wort zuviel. Ein fantastsiches Buch. Eines von denen, die man selbst gerne geschrieben hätte.

Das Witzige daran: Simmons hat die Figurenkonstellation bei Turgenjews Novelle "Erste Liebe" geklaut und gibt das auch ganz offen zu. Ein Beispiel, wie ein Autor sich bei einem anderen bedienen kann, ohne platt zu plagiieren.

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